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Weinberg am Ätna, Sizilien

Serie: Vulkanböden · Folge 2 von 5 · 6 min

Ätna: Das Gedächtnis
des Feuers

Am Ätna heißen Weinberge nicht nach Familien oder Flurnamen, sondern oft nach dem Ausbruch, der sie geschaffen hat. Eine Contrada kann jünger sein als der Mensch, der sie bewirtschaftet — Lava von 1981, 1971, manchmal von vor drei Jahrhunderten. Der Berg schreibt seine eigene Geschichte in den Boden, und die Winzer lesen sie jedes Jahr neu, wenn sie entscheiden, wo sie pflanzen und wo nicht.

Über 130 solcher Contrade sind heute bekannt, jede mit eigener Höhe, eigener Exposition, eigenem Lavajahrgang. Manche liegen auf 300 Metern, andere über 1000 — eine Spannweite, die es in kaum einer anderen Weinregion Europas gibt. Wer eine Flasche Etna Rosso aus der Contrada Feudo di Mezzo kauft und eine aus der Contrada Santo Spirito daneben stellt, trinkt zwei unterschiedliche Berge, nicht zwei Interpretationen desselben.

Die Hauptrebsorte heißt Nerello Mascalese — spät reifend, hell in der Farbe, hoch in der Säure, mit einem Tanningerüst, das viele an Nebbiolo oder Pinot Noir erinnert. Dazu Nerello Cappuccio für Fülle, und beim Weißwein Carricante, der auf den höheren Lagen eine Frische behält, die man auf Sizilien sonst kaum findet.

Salvo Foti und das Alberello am Vulkan

Kaum ein Name steht so sehr für die moderne Ätna-Weinkultur wie Salvo Foti. Als Agronom begann er in den 1990er-Jahren, alte Alberello-Weinberge zu retten, die andere längst aufgegeben hatten — freistehende Rebstöcke ohne Drahtgerüst, oft über hundert Jahre alt, manche davon ungepfropft, weil die vulkanische Sandschicht der Reblaus keinen Halt bietet. Mit seinem Projekt I Vigneri stellte er nicht nur eigene Weine her, sondern brachte auch anderen Winzern der Region das traditionelle Handwerk zurück.

Geerntet wird von Hand, gekeltert oft im Palmento — den alten Steinkellern, in denen Trauben früher mit den Füßen gestampft wurden und die viele Betriebe heute wieder als authentische Kelteranlage nutzen. Kein Beton, keine Edelstahltanks von der Stange: Stein, Holz, Zeit.

„Der Berg schreibt seine Geschichte in den Boden. Die Winzer lesen sie jedes Jahr neu.“

Was den Ätna von anderen Vulkanböden unterscheidet

Anders als Lipari, wo Bimsstein und Meerwind dominieren, ist der Ätna ein aktiver Vulkan mit ständiger, kleinteiliger Erneuerung. Asche, Lapilli und Lavaströme verschiedenen Alters liegen nebeneinander, oft nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Diese Kleinteiligkeit erklärt, warum die Contrada als Konzept am Ätna so viel wichtiger ist als anderswo in Sizilien — sie ist die einzige Möglichkeit, diese Vielfalt überhaupt zu benennen.

Die Höhenlage sorgt zusätzlich für kühle Nächte, selbst mitten im sizilianischen Sommer. Das Ergebnis sind Weine mit einer Frische, die man einer Insel im Zentrum des Mittelmeers kaum zutrauen würde — Säure statt Wärme, Rauch und Asche statt Marmelade.

Wer einen Etna Rosso öffnet und einen kühlen, roten, hellen Wein erwartet statt der dunklen, warmen Südweine, mit denen Sizilien oft assoziiert wird, versteht sofort, warum die Region in den letzten zwanzig Jahren vom Geheimtipp zur Referenz geworden ist. Nicht wegen eines Trends. Weil der Berg selbst der Beweis ist, dass Herkunft mehr über einen Wein aussagt als jede Rebsorte allein.

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