Serie: Vulkanböden · Folge 4 von 5 · 6 min
Vulkanland Steiermark:
Der Vulkan
unter der Burg
Die Riegersburg steht nicht auf einem Hügel. Sie steht auf dem Inneren eines Vulkans: ein Pfropfen aus Basalt, erstarrtes Magma in einem Schlot, dessen weicher Kegel längst abgetragen ist. Was die Steirer im Mittelalter für einen guten Burgberg hielten, war der harte Kern eines Feuerbergs — und die Weingärten der Umgebung wurzeln bis heute in dem, was er hinterlassen hat.
Das Vulkanland im Südosten der Steiermark hat gleich zwei feurige Kapitel hinter sich. Vor 17 bis 12 Millionen Jahren brachen die ersten Vulkane aus, rund um den heutigen Gleichenberger Kogel. Viel später, vor knapp drei bis knapp zwei Millionen Jahren, kam die zweite Welle: Klöch, der Stradener Kogel, der Steinberg bei Mühldorf. Erdgeschichtlich ist das gestern. Übrig blieben Kuppen aus Basalt und Tuff in einer sonst sanften Hügellandschaft — Inseln aus dunklem Gestein, und auf fast jeder wächst heute Wein.
Basalt und Tuff sind ungleiche Geschwister. Der Basalt — erkaltete Lava, dunkel, dicht — verwittert langsam und speichert die Wärme des Tages bis in die Nacht. Der Tuff, aus Asche und Auswurf verbacken, ist porös und hält Wasser wie ein Schwamm. Zusammen ergeben sie Weinberge, die trockene Sommer abfedern und kühle Nächte mildern: kleine geologische Klimaanlagen, gebaut vor zwei Millionen Jahren.
Man schmeckt das. Die Weißweine des Vulkanlands — Weißburgunder, Morillon, Sauvignon Blanc, Welschriesling — tragen neben ihrer Frucht eine dunklere, würzige Spur, die man auf den Kalkböden anderer steirischer Lagen nicht findet: rauchig, pfeffrig, manchmal fast salzig. Und in Klöch, direkt am Basaltmassiv, hält sich seit Jahrhunderten eine Spezialität, die anderswo Exot bliebe: Traminer. Die aromatischste aller alten Sorten, auf dem kargen Vulkangestein diszipliniert zu Würze statt Parfüm — die vielleicht eigenständigste Antwort Österreichs auf die Frage, was Vulkanboden im Glas bedeutet.
„Die Riegersburg steht auf erstarrtem Magma — und die Weingärten ringsum trinken bis heute aus dem, was der Vulkan hinterließ.“
Dass die Steilhänge an den Vulkankuppen nur von Hand zu bewirtschaften sind, hat die Region vor der Industrialisierung des Weinbaus bewahrt. Handlese ist im Vulkanland DAC Vorschrift, nicht Romantik. Die Betriebe sind klein, die Lagen verstreut über Orte, deren Namen wie eine geologische Landkarte klingen: Klöch, Kapfenstein, St. Anna am Aigen, Straden, Riegersburg — fast jeder davon ein erloschener Vulkan mit Kirchturm.
Ein Geständnis zum Schluss: Aus dem Vulkanland selbst führen wir noch keinen Wein. Die Region ist klein, ihre besten Betriebe verkaufen vieles ab Hof — wir suchen. Bis es so weit ist, stehen unten drei Weine, die dieselbe Sprache sprechen: gewachsen auf Lava, Bims und Basalt, ein paar Breitengrade weiter südlich und westlich. Der Boden ist verwandt. Die Handschrift auch.
Vulkanböden im Glas — aus unserem Sortiment
Bianco Pomice
Malvasia & Carricante · Lipari, Bimsstein
Palmento Caselle
I Vigneri di Salvo Foti · Ätna, Lava
Schlossberg Achkarren GG
Franz Keller · Kaiserstuhl, Basalt
Winzer-Porträts: Tenuta di Castellaro · I Vigneri di Salvo Foti · Franz Keller
Serie: Vulkanböden — Europa über dem Feuer
- Folge 1: Lipari — Wo der Wein nach Rauch und Meer schmeckt
- Folge 2: Ätna — Das Gedächtnis des Feuers
- Folge 3: Kaiserstuhl — Rotwein auf schwarzem Grund
- Folge 4: Vulkanland Steiermark — Der Vulkan unter der Burg
- Folge 5: Kanarische Inseln — Der Wein, der nie gepfropft wurde
Hintergrundwissen
Das südöstlichste Weinbaugebiet der Steiermark rund um Klöch, Kapfenstein, Straden und Riegersburg. Seit 2018 eigene DAC-Herkunft; die Weingärten liegen großteils auf den Kuppen und Hängen erloschener Vulkane aus Basalt und Tuff.
Nein. Die jüngsten Ausbrüche liegen rund zwei Millionen Jahre zurück. Geblieben sind die harten Basaltkerne der Schlote — auf einem davon steht die Riegersburg — und die mineralreichen Verwitterungsböden ringsum.
Meist straffer und würziger als von Kalk oder Löss: eine rauchig-pfeffrige, oft leicht salzige Note neben der Frucht, dazu ausgeprägte Länge. Basalt speichert Tageswärme, Tuff hält Wasser — beides sorgt für gleichmäßige Reife und kühle Präzision.
Welschriesling, Weißburgunder und Morillon (Chardonnay) stellen die größten Flächen; dazu Sauvignon Blanc — und als historische Besonderheit der Traminer von Klöch, der direkt am Basaltmassiv seine würzigste Form findet.
Noch nicht — die kleinen Spitzenbetriebe der Region verkaufen viel direkt ab Hof, und wir nehmen nur auf, was wir selbst besucht und verkostet haben. Vulkanböden im Glas gibt es bei uns trotzdem: von den Liparischen Inseln, vom Ätna und vom Kaiserstuhl.
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