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Serie: Vulkanböden · Folge 3 von 5 · 6 min

Kaiserstuhl:
Rotwein auf
schwarzem Grund

Wer durch die Rheinebene zwischen Freiburg und Colmar fährt, sieht kilometerweit nichts als flaches Land — Mais, Wiesen, die schnurgerade Autobahn. Und dann, ohne Ankündigung, erhebt sich ein einzelner Hügelzug aus dem Nichts: der Kaiserstuhl. Kein Gebirge, keine Kette, nur dieser eine, in sich geschlossene Block, der aussieht, als hätte ihn jemand mitten in die Ebene gestellt. Genau das ist im Grunde passiert — nur vor 16 Millionen Jahren und mit erheblich mehr Gewalt.

Der Kaiserstuhl ist ein erloschener Vulkan. Als sich der Oberrheingraben aufriss — jene tektonische Senke, die den Rhein zwischen Basel und Frankfurt trägt — drang hier über einen langen Zeitraum Magma an die Oberfläche und baute einen eigenständigen vulkanischen Komplex auf, umgeben von Weinbergen, die heute so wirken, als seien sie schon immer da gewesen. Wer genau hinschaut, findet an alten Steinbrüchen bei Vogtsburg noch die sechseckigen Basaltsäulen, die entstehen, wenn Lava langsam und gleichmäßig erkaltet — dieselbe Struktur, die man sonst eher von der Nordküste Irlands kennt als aus Baden.

Zwei Böden teilen sich den Kaiserstuhl, und sie erzählen zwei verschiedene Geschichten. Der größte Teil der Fläche liegt unter mächtigem Löss — feinstem, vom Wind über Jahrtausende angewehtem Staub, der leichte, freundliche, früh trinkbare Weine hervorbringt. Aber an den steilsten, südlichsten Hängen, dort wo die Sonne am längsten steht und kein Traktor mehr hinaufkommt, liegt das eigentliche Vulkangestein offen: verwitterter Basalt und Tuffstein, dunkel, mineralisch, wärmespeichernd. Genau hier, an Lagen wie dem Schlossberg in Achkarren oder dem Eichberg in Oberrotweil, entstehen die Weine, die den Kaiserstuhl zur wärmsten Rotweinlage Deutschlands machen.

„Ein Boden, der aus Feuer entstand, zwingt die Reben, tief zu graben.“

Was Franz Keller dem Basalt abgewinnt

Franz Keller bewirtschaftet einige der besten dieser Basalt-Steillagen. Der Betrieb, eng mit der badischen Gastronomiefamilie Keller verbunden, zählt zu den Aushängeschildern des VDP in Baden — und macht aus dem Spätburgunder, der andernorts in Deutschland oft blass bleibt, hier ein Großes Gewächs von erstaunlicher Dichte. Der Schlossberg gibt dunkle Kirsche, Brombeere, eine warme, fast würzige Tiefe; der Eichberg, eine Steillage weiter nördlich, zeigt sich kühler und floraler — zwei Ausdrucksformen desselben Vulkangesteins, nur wenige Kilometer voneinander entfernt.

Bemerkenswert ist, was der Kaiserstuhl noch kann: Auf dem Schlossberg keltert Franz Keller sogar einen Grauburgunder als Großes Gewächs — eine Rarität, da diese Rebsorte in Deutschland fast nie diese Klassifikation erreicht. Die Basaltböden geben ihr eine Rasse und Säurestruktur, die man der Sorte selten zutraut. Auch Chardonnay findet hier, wärmer und selbstbewusster als in den meisten deutschen Anbaugebieten, seinen Platz.

Anders als Lipari oder der Ätna ist der Kaiserstuhl kein Vulkan im Meer, sondern mitten im Kontinent, umgeben von Ackerland statt Wellen. Doch das Prinzip bleibt dasselbe: ein Boden, der aus Feuer entstand, zwingt die Reben, tief zu graben, und geht als Mineralität, Wärme und Konzentration in den Wein über. Der Unterschied liegt nur darin, wie unauffällig sich dieser Vulkan tarnt — mitten in einer der bürgerlichsten Landschaften Europas.

Hintergrundwissen

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